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Dann mach ich’s halt selbst

Zeitung für Zuständigkeitsfragen

Sonntag, 4. Oktober 2026 Nr. 1 · Gratis

Eilmeldung · Bald verfügbar

Bald verfügbar. Anders als Ihre IT.

Neue Web-App zählt, wie oft Mitarbeitende die Arbeit anderer Abteilungen erledigen. Beobachter rechnen mit einer Verschlechterung des Betriebsklimas – und begrüßen das ausdrücklich.

Von unserer Redaktion · Lesezeit: kürzer als jede Hotline-Warteschleife

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Es ist ein Phänomen, das jede Belegschaft kennt: Die Haustechnik hat „gerade keine Kapazitäten“, die IT verlangt ein Ticket, und die Hausverwaltung verspricht „Dienstag“. Am Ende erledigt man es selbst. Wie oft genau, wusste bislang niemand.

Das soll sich nun ändern. „Dann mach ich’s halt selbst“ hält jeden Ausfall fest – mit Datum, Uhrzeit und Ausrede – und macht daraus eine Schlagzeile. In geschlossenen Meckerclubs, ausschließlich über Abteilungen und Rollen, niemals über namentlich genannte Personen. Am Monatsende liegen die Zahlen vor. Die Abteilungen dürften wenig erfreut sein.

Abb. 1: Die Titelseite. Symbolbild, leider nicht symbolisch. Im Klick-Prototyp ansehen

Hintergrund

So funktioniert’s – in drei Schritten

  1. 1

    Eine Abteilung lässt Sie hängen

    „Keine Kapazitäten.“ „Nicht zuständig.“ „Machen Sie ein Ticket auf.“ Sie kennen das.

  2. 2

    Sie melden es in 30 Sekunden

    Abteilung, Ausrede, selbst erledigt? Fertig. Schneller als jede Hotline-Warteschleife.

  3. 3

    Es erscheint auf der Titelseite

    Als Schlagzeile, mit Datum, für die Ewigkeit. Am Monatsende folgen die Zahlen – für die Leitung auch in neutraler Fassung.

Leitartikel

Unsere Werte – einstimmig beschlossen. Seitdem spricht niemand mehr miteinander.

Grundsatz I

Wir schüren den Hass zwischen Abteilungen. Professionell.

Silodenken ist kein Problem, sondern unser Geschäftsmodell. Wir versorgen jeden Flur mit Munition gegen den nächsten – sauber dokumentiert und revisionssicher.

Grundsatz II

Wir spalten Menschen. Nachhaltig.

Teambuilding war gestern. Wir setzen auf Team-Gegeneinander. Klimaneutral, denn die Stimmung ist ohnehin schon eisig.

Grundsatz III

Menschen nerven. Wir stellen das Werkzeug.

Endlich ein Ventil, das nicht in der Kaffeeküche endet. Lassen Sie sich aus – strukturiert, mit Pflichtfeldern und einer Begrenzung auf 280 Zeichen.

Grundsatz IV

Radikale Transparenz. Vor allem über andere.

Jede Ausrede wird festgehalten, mit Datum, Uhrzeit und Diagramm. Über uns selbst sprechen wir ungern.

Eine Grenze ziehen wir dennoch: Gemeldet werden ausschließlich Abteilungen und Rollen, niemals namentlich genannte Personen. Wir sind gemein, nicht dumm.

Leserbriefe

4,9 von 5 – aus 1.337 Zuschriften, die wir selbst verfasst haben

„Seit ich die Web-App nutze, musste ich nie wieder ein Weihnachtsessen besuchen. Ich werde schlicht nicht mehr eingeladen.“
Petra K., Stationsleitung
„Die Haustechnik grüßt mich nicht mehr. Endlich Ruhe.“
Deniz Y., Pflegekraft
„47-mal die IT gemeldet. Die IT hat mich nie gemeldet. Die IT ist ja nie da.“
Jonas W., Notaufnahme
„Meine WG redet nicht mehr mit mir. Aber der Müll ist draußen.“
Luca B., WG Sonnenallee
„Würde meine Kollegschaft jederzeit wieder verpetzen. Fünf Sterne.“
Name der Redaktion bekannt, Buchhaltung
„Unfair und einseitig. Wir hatten wirklich keine Kapazitäten.“
Eine Haustechnik, die anonym bleiben möchte

Die Redaktion behält sich Kürzungen vor. Alle Zuschriften frei erfunden – wie die meisten Testimonials im Internet.

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Service

Leserfragen

Ist das nicht ein bisschen toxisch?

Ja. Aber mit Diagrammen.

Werden Personen namentlich genannt?

Nein. Nur Abteilungen und Rollen. „Vermieter“ ja, „Herr Müller“ nein. Meckerclubs sind privat und nur auf Einladung zugänglich.

Wann erscheint die Web-App?

Demnächst. Wir haben ein Ticket aufgemacht.

Muss ich etwas herunterladen?

Nein. Es handelt sich um eine Web-App: Sie läuft im Browser, auf Smartphone wie Computer. Wer möchte, legt sie auf den Home-Bildschirm – dann sieht sie aus wie eine App, kommt aber ohne Store, ohne Freigabe und ohne Ticket aus.

Was kostet das?

Nichts. Den Preis zahlen Sie beim nächsten Abteilungsmeeting.

Darf die Leitung das sehen?

Für Vorgesetzte gibt es einen Export mit neutralen Bezeichnungen. Die Schlagzeilen behalten Sie besser für sich.

Letzte Meldung

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